Gregor Amann, MdB: Zur aktuellen weltweiten Nahrungsmittelkrise

Veröffentlicht am 07.07.2008 in Außenpolitik
 

Gregor Amann, Reichstag

Zu Recht sind die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise derzeit im Zentrum der öffentlichen Diskussion. Was für viele Menschen in unserem Land eine schwerwiegende Belastung ist, hat für die Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, mit denen ich mich als Mitglied des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit befasse, buchstäblich existenzbedrohende Auswirkungen. Ob der sogenannte „Tortilla-Krieg“ in Mexiko, die wütenden und teils gewalttätigen Bauernproteste in Argentinien gegen neue Exportzölle für Soja, der Sturz der Regierung in Haiti oder der verzweifelte Hilferuf des Welternährungsprogramms, zukünftig die Essensrationen für die Ärmsten der Armen halbieren zu müssen - eine Schreckensmeldung jagt die nächste. Glaubte man Ende des 20. Jahrhunderts noch, die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 halbieren zu können ( die sogenannten „Milleniumsziele“ der UNO aus dem Jahr 2000) scheint es nun fast so, als würde sich die Lage in den meisten Entwicklungsländern derzeit eher noch verschlechtern.

In Deutschland wird nun heftig darüber diskutiert, wer für die weltweite Hungerskrise verantwortlich ist. Ob Biosprit oder Spekulanten - schnell funktionieren die Reflexe der üblichen Feindbilder. Meines Erachtens sind es jedoch eine ganze Reihe von Ursachen zusammen, die zu der jetzigen Krise geführt haben: Spekulationsgeschäfte an den Warenterminbörsen, gestiegene Nachfrage durch weltweites Bevölkerungswachstum sowie verbesserten Wohlstand in den Schwellenländern, Ernteausfälle durch Unwetter, abnehmende Lagerbestände im Zuge der GATT-Reformen, eine verfehlte Agrar- und Handelspolitik in den Entwicklungs- und Schwellenländern ebenso wie in der EU, steigende Rohölpreise als hoher Kostenfaktor sowie natürlich eine auch dadurch gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen. Viele dieser (Fehl-)Entwicklungen kamen jedoch nicht über Nacht; daher müssen sich die beteiligten Akteure durchaus den Vorwurf gefallen lassen, wichtige Maßnahmen gegen den Hunger lange vernachlässigt zu haben.
Wichtig scheint mir, jetzt schnell und gezielt zu handeln. Neben der sofort zu leistenden Nothilfe geht es dabei um eine ganze Reihe von Maßnahmen, die besonders wichtig sind: eine Neubewertung der Freihandelspolitik von IWF und Weltbank, eine Neuorientierung in der EU-Agrarpolitik, Förderung und Ausbau einer nachhaltigen Landwirtschaft in den betroffenen Ländern, eine stärkere Reglementierung und Kontrolle des Rohstoffhandels an den Terminbörsen, Augenmaß bei der Förderung von Biokraftstoffen, eine verbesserte Ausbildung von Fachkräften und natürlich eine Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit mit den betroffenen Ländern.
Denn nicht umsonst lautet ein Sprichwort, Hunger sei ein scharfes Schwert. Wir müssen also gemeinsam dafür sorgen, dass es endlich gelingt, den Hunger nachhaltig zu bekämpfen.

 

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